Die ausgehöhlte Welt

Wie sich der Mensch selber demontiert
Die ausgehöhlte Welt? Zugegeben, der Verfasser des nachfolgenden Artikels hat sich hier einen etwas sonderbaren Titel ausgedacht. Freilich wird sich bei einigen von Euch die berechtigte Frage nach dem genauen Hintergrund der gewählten Überschrift aufgedrängt haben. Wer den Text aufmerksam zu Ende liest, wird den substanziellen Sinngehalt und die dahinterstehende Botschaft zweifelsohne zu verstehen wissen. Im Zentrum der nachfolgenden Betrachtung steht nämlich keinesfalls eine ausgehöhlte Welt im physisch-materiellen Sinne als vielmehr auf einer geistig-seelischen und ethisch-moralischen Ebene.

Dieses Schriftstück soll zum Nachdenken anregen und uns zu einer kritischen Reflektion unserer eigenen Verhaltensmuster sowie der im täglichen Leben angewendeten Wert- und Haltungsmassstäbe bewegen. Denn das ist ein Handlungsansatz, für den es in unserer hochtechnisierten und rundumversorgten Wohlstandsgesellschaft keinen Platz mehr zu geben scheint.
Wozu auch? Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung und sind gerade eifrig damit beschäftigt, das Konzept von „Industrie 4.0“ (Rationalisierung und Effizienz als oberste Maxime) in unseren Wirtschaftszyklus zu implementieren. Die Lebensverhältnisse könnten besser nicht sein und die Schaffung von Rahmenbedingungen zur grösstmöglichen Freiheit des Einzelnen (Stichwort Selbstverwirklichung) hat längst Einzug in die politische Agenda gehalten. Wieso also Trübsal blasen, wenn doch die gesamtgesellschaftliche Aufbruchsstimmung uns den Weg in eine blühende Zukunft weist? Eine Zukunft, in der materieller Wohlstand floriert und das konkurrierendes Gewinnstreben der zentrale Massstäbe im Leben der Menschen darstellt…

Luxus + Wohlstand = Glück?  

Nun haben wir uns vor einiger Zeit mal auf eine kleine Erkundungsreise durch das hektische Alltagsleben dieser hypermodernen Gesellschaft gemacht, deren Identität sich ausschliesslich über materiellen Besitz und Geldreichtum definiert. Auf unserem Streifzug durch diese Zeit haben wir festgestellt, dass die Welt im Jahre 2018 nun doch nicht ganz so rosafarben ist, wie sie gerne skizziert wird. Was wir angetroffen haben, war eine gesellschaftliche Atmosphäre des Sattseins, des Egoismus, der absoluten Wertefreiheit und einer allgemeinen Überdosis dekadenter Bequemlichkeits- und Luxusorgien. Nebst den zweifelsohne prosperierenden Lebensverhältnissen, hat das moderne Zeitalter des Fortschritts dramatische Defizite bei menschlichen Belangen wie Ethik, Moral, Kultur und Geist erzeugt. Statt Geborgenheit, Frohsinn und Sicherheit florieren in diesen Tagen Angst, Unsicherheit und Unbeständigkeit in jeder erdenklichen Lebenslage.

Soziale Vereinsamung und die Verflachung zwischenmenschlicher Beziehungen sind ebenfalls eine Begleiterscheinung dieser unseligen Kaufe-und-Konsumiere-Mentalität.
Auch gegenseitiger Respekt, Solidarität, anständiges und gesittetes Auftreten sowie Charakterstärke werden immer mehr zur seltenen Ausnahmeerscheinung.
Besonders beklemmend ist die Situation, wenn man einmal das Innenleben dieser Menschen, also deren seelisches Befinden, genauer analysiert. Nebst dem geistigen Notstand, greifen in erschreckend hohem Masse immer mehr psychische Krankheiten, Depressionen, Hektik, Disharmonie, Trostlosigkeit, sogenannte „Burnouts“ und eine allgemeine Stimmung der Lebenssinnlosigkeit um sich.
Die Menschen irren orientierungslos und unzufrieden durchs Leben, dabei besitzen sie doch alles, was es zum Glücklich sein bedarf.
Unglücklich trotz opulentem Wohlstand und wohlig warmer Komfortzone?
Das materialistisch geprägte System der Gegenwart macht´s möglich!

Ein Zwischenbefund
Alle bis hierher festgehaltenen gesamtgesellschaftlichen Zerfallserscheinungen sind die verheerende Folge einer einseitig auf Wohlstandsvermehrung und Warenkonsum ausgerichteten Lebenshaltung. Die Vernachlässigung lebensbejahender Moralprinzipien und Wertvorstellungen, der Zerfall der guten Sitten und Tugenden sowie der unreflektierte Konsum einer geschmacklosen und rüpelhaften Unterhaltungsindustrie im Fernsehen machen sich sträflich bemerkbar. Das Ergebnis dieser pietätlosen Entwicklung sehen wir tagtäglich um uns herum. Die Menschheit befindet sich nicht nur in einer geistig-kulturellen Krise, sondern in einem geistig-kulturellen Zerfallsmechanismus, was wir allgemeinhin als Dekadenz bezeichnen. Diese systematische und kollektive Verblödung zerstört allerorts edle Tugenden, höhlt das Wahre, Schöne und Gute im Menschen aus und hinterlässt eine abgegraste Wiese, die geistig, ethisch und ästhetisch weitestgehend vertrocknet ist. Es ist die materielle Übersättigung, gepaart mit der primitiven Überreizung unserer Wahrnehmung, der den Menschen auf das Niveau niedrigster Triebe, Instinkte und Bedürfnisse zurückwirft. Doch das Ganze geschieht nicht rein zufällig, sondern gehört zum eiskalten Programm der materialistischen Wirtschaftsauffassung. Der Mensch als einstiges Kulturwesen wird in einem konzeptionellen Dressurakt zu einem selbstsüchtigen Arbeits- und Konsumautomaten gemacht.

Ihr lest richtig: Unser Dasein soll sich darauf beschränken, ein Automat mit Warencharakter zu verkörpern. Im ABC der Globalisierung heisst das dann „Humanressourcen“.  Wir werden mit billigem Ramsch (Geiz-ist-geil-Mentalität) übersättigt und zwecks Ablenkung mit einem moralisch höchst anstössigen Unterhaltungsprogramm gefüttert. Sie preisen uns die Hyperdekadenz als Fortschritt an und rauben uns dabei den Sinn des Lebens.

Gleichzeitig verlieren wir die ethische und moralische Orientierung, was sich dann in der eingangs bereits genannten Stimmungswelt der allgemeinen Lebenssinnlosigkeit ausdrückt.
Wie ein Blick in die Realität zeigt, wurde und wird dieser Dressurakt an den Menschen – hin zu einer profitbringenden Verbrauchs- und Produktionsmasse – erfolgreich durchgeführt. Denn die geistige und moralische Verfassung der modernen Arbeitssklaven ist wirklich erschreckend. Genau so erschreckend ist es, zu beobachten, wie eiskalt und emotionslos die Menschen durchs Leben irren. Wer sich einmal aufmerksam durch die hektischen Menschenmassen bewegt, glaubt sich tatsächlich in einer Zombiewelt wiederzufinden.
Alles ist herzloser, gefühlsärmer, sachlicher und letztlich digitaler geworden. Ähnlich einer Maschine, leben die Menschen nicht, sondern funktionieren nur noch.
Sie produzieren und konsumieren wie am Fliessband, leiden aber unter posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen.

Der Lösungsansatz: Eine Neujustierung auf geistig-moralischer Ebene
Halten wir fest: Glück und Lebensfreude lassen sich durch kein Geld dieser Welt erkaufen.
Die Quelle des wahren Glücks erschliesst sich uns nur durch die Mobilisierung der in uns schlummernden, geistigen, moralischen und kulturellen Kräfte. Denn die geistige Substanz der Menschen ist keinesfalls abhandengekommen, sie ist lediglich verkrustet und muss vom Schmutz der materialistisch-hedonistischen Ideologie befreit werden.

Durch das Vorhandensein eines aufrechten Geists und einer intakten Seele feiert auch die allgemeine Lebensfreude wieder fröhliche Urstände.
Friedrich Schiller drückte es wie folgt aus:
Ein frohes heiteres Gemüt ist die Quelle alles Edlen und Guten; das Grösste, was je geschah, floss aus einer solchen Stimmung.“

Die Zeit ist reif, dieser geistig toten Welt des materiellen Überkonsums sowie des Sitten- und Tugendverfalls allmählich wieder Leben einzuhauchen. Wir müssen uns aus der gegenwärtigen Winterstarre lösen, um frohen Mutes und zuversichtlich in den Frühling überzugehen. Dies geschieht, indem wir zunächst einmal bei uns selber den Massstab von Ethik und Moral neu ansetzen, unser Verhalten kritisch hinterfragen und bereit sind, ausgetretene Pfade zu verlassen. Nicht der ökonomische Nutzen darf im Zentrum jeglicher Handlungsstränge stehen, sondern das Wohlergehen von Mensch, Tier und Natur.

Um den heute herrschenden Ausnahmezuständen entgegenzuwirken, bedarf es weitaus mehr als nur der leeren Lippenbekenntnisse. So ist es nur auf der Basis eines innerlich reichen Lebens möglich, sich von diesem oberflächlichen und geistig ausgelaugten Zeitgeschehen mitsamt seiner dekadenten Spassgesellschaft abzukoppeln und neue Horizonte zu erkunden.
Hierzu bedarf es einer Rückbesinnung auf das Wahre, Gute und Schöne im Leben.
Was genau heisst das?
Es gilt, die zeitlosen Wert- und Haltungsmassstäbe von Moral, Kultur, Schönheit, Wahrheit, Ehrlichkeit, Charakter, Solidarität, Gemeinschaftssinn usw. wieder zu erwecken. Der schrille Tanz ums Goldene Kalb deckt uns mit materiellen Luxusgütern ein, während er uns gleichzeitig geistig und seelisch verarmen lässt. Wir müssen wieder lernen, das wertzuschätzen, was in diesen Tagen so sträflich vernachlässigt wird.

Einer der Schlüssel, um das grösstmögliche Glücksgefühl zu erzeugen, ist das eingebunden sein in ein harmonisches Familienleben. Geld und Luxusartikel können niemals die Einbindung in eine Gemeinschaft, eine Familie oder eine Partnerschaft ersetzen. Der Mensch hat ein Urbedürfnis nach Geborgenheit, Aufgehoben sein und starken Bindungskräften.
Gerade an die jüngeren Leser möchten wir daher appellieren, wenn immer möglich selbst eine Familie zu gründen. Denn Kinder bilden zweifelsfrei den grössten Schatz im Leben eines Menschen und sind von unschätzbarem Wert.
Wie sagte doch schon Jean-Jacques Rousseau:
„Der Reiz des Familienlebens ist das beste Gegengift gegen den Verfall der Sitten.“

Nachfolgend eine kleine Liste mit einigen Buchempfehlungen zum Thema:

– Frank Schirrmacher: Ego – Das Spiel des Lebens
– Jörg Schindler: Die Rüpelrepublik
– Ferdinand Tönnies: Gemeinschaft und Gesellschaft

singlepost-ic By Impuls Impuls Category: Allgemein

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