Familie – Quelle der Kraft und des Glücks

Wir alle sind täglich in verschiedenste Formen menschlicher Gemeinschaften eingebunden. Sei es auf der Arbeit, im Verein oder dem Freundeskreis. In jeder dieser Personengruppen wird durch das Zusammenwirken der einzelnen Kräfte eine einheitliche Leistung vollbracht. Die ineinander fließenden Energien erzeugen soziale Bedeutungs- und Resonanzräume, die uns verdeutlichen, dass der Einzelne und die Gruppe stets in einer natürlichen Wechselbeziehung zueinander stehen. Sie bedingen sich quasi gegenseitig. Auf der Basis dieser freigesetzten Synergien entwickelt sich in der Folge ein Gemeinschaftsbewusstsein. Die Verhaltenspsychologie sagt uns, dass jeder Mensch ein Träger sozialen Lebens ist, der parallel zur individuellen Tätigkeit auch ein ureigenes Bedürfnis danach hat, Teil eines sozialen Netzwerks zu sein. Wird dieses Urbedürfnis nach sozialer Bindung nicht kontinuierlich gestillt, greifen Vereinsamung und eine geistig-seelische Aushöhlung um sich.

Die mit Abstand wichtigste soziale Zelle im Leben eines Menschen stellt jedoch die Familie dar.
Denn: Umso näher sich die Mitglieder innerhalb einer sozialen Gemeinschaft stehen, desto grösser ist der gemeinsame Resonanzraum. Dieser angeborene Gefühlsbezug zum Nächsten bekommt eine klarere Dimension, wenn wir unser eigenes Verhalten einmal reflektieren. Während wir für unsere Liebsten aus dem engsten Familienkreis höchste Verzichts- und Opferbereitschaft an den Tag legen, ist unser Verhalten gegenüber losen Bekannten und Dritten mit einer gewissen Gefühlsbremse behaftet. Das ist normal und auch gut so. Mit Fug und Recht darf also festgehalten werden, dass eine natürlich gewachsene Familie die innigste und elementarste aller Solidargemeinschaften darstellt.

Der Verfasser erinnert sich gerne an die unbeschwerten Stunden seiner Kindheit zurück, wie er an Großmutters Tisch gesessen und ihren spannenden Erzählungen aus alten Tagen gelauscht hat.
Obgleich das kleine Liechtenstein vom militärischen Ringen der beiden Weltkriege verschont blieb, waren die Menschen hier zu Lande alles andere als auf Rosen gebettet. Die Krise der 1930er-Jahre hat auch unser Land erfasst und die Bevölkerung in Armut gestürzt. In kindlicher Neugier erkundigte ich mich bei meiner Großmutter, wie denn die Menschen das damals alles gemeistert haben. Worauf sie mir sagte: „Weißt Du, die Menschen führten weiland ein einfaches und bescheidenes Leben. Wir hatten nicht viel und mussten zahlreiche Entbehrungen ertragen. Doch wir lebten in intakten Familienverhältnissen, was uns großen Rückhalt gab. Wir Kinder hatten beispielsweise keine Spielkonsolen und Fernseher zur Verfügung, doch unsere Herzen strahlten vor Lebensfreude, da sie eingebettet waren in eine harmonische Familiengemeinschaft.“
Während mir als kleiner Junge das Verständnis für die Botschaft hinter dieser Aussage fehlte, begann ich es im Erwachsenenalter allmählich zu verstehen….

Und heute?
Wer sich auf eine kleine Erkundungsexpedition durch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung dieser Zeit begibt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die komplette Werteordnung innert wenigen Jahrzehnten systematisch auf den Kopf gestellt wurde. Wohl haben Digitalisierung und technischer Fortschritt den Menschen zu größtmöglichem Wohlstand verholfen. Doch zu welchem Preis? Wir sind äußerlich reich an materiellen Gütern, doch unser Innenleben scheint wie leergefegt zu sein. Das heilige Band der Familie, seit Generationen Urquell für Geborgenheit, Bindung und Vertrauen, wird fortlaufend zerschnitten. Mit einer feministischen Polit-Waffe namens „Gender Mainstreaming“ werden die Geschlechtsidentitäten von Mann und Frau dekonstruiert. Was uns hier als Vorstoß der Gleichberechtigung verkauft wird, zielt in Tat und Wahrheit darauf ab, die traditionelle Familie systematisch zu destabilisieren. Der Genderwahnsinn ist nichts weiter, als ein institutionalisierter Etikettenschwindel (Näheres zu diesem Thema in einem späteren Artikel).
Gemeinsinn und das Streben nach einem harmonischen Miteinander nehmen heute nur noch eine untergeordnete Stellung ein.
Unter dem wohlklingenden Begriff der „Selbstverwirklichung“ hat eine egoistische Lebensform Einzug gehalten, die nicht mehr auf Kinder setzt, sondern stattdessen die persönliche Lustbefriedigung und Genusssucht ins Zentrum aller Handlungen stellt. Der Wert des Menschen bemisst man heute nicht mehr nach seinen Charaktereigenschaften, sondern nach seinen materiellen Besitztümern und dem beruflichen Ausbildungsgrad.
Eine Vollzeitmutter, die sich dieser Tage instinktiv und leidenschaftlich um die Erziehung ihrer Kinder kümmert, wird als altmodische Ausnahmeerscheinung stigmatisiert. Obwohl man aus der Bindungsforschung weiß, dass die Gegenwart der Mutter in den ersten Lebensjahren eines Kindes für dessen Entwicklung überaus wichtig ist, werden heute viele Kinder (zum Teil schon im Säuglingsalter) in die Fremdbetreuung abgeschoben. An dieser Stelle möchten wir festhalten, dass wir die Fremdbetreuung von Kleinkindern nicht pauschalisierend abqualifizieren möchten. Ist dieser Schritt auf Grund der finanziellen Situation notwendig, so ist daran nichts auszusetzen. Hingegen betrachten wir es als egoistisches Verhaltensmuster, wenn der Entscheid für die Fremdbetreuung einzig und allein auf der Überzeugung basiert, sich aus der „altbackenen“ Mutterrolle zu emanzipieren und berufliche Karriere zu machen. In diesem Zusammenhang halten wir es mit Karl Feldkamp, der einmal meinte: „Wirklich dekadent ist eine reiche Gesellschaft, deren Kinder als Armutsrisiko und Karrierehindernis gelten.“

Doch diese entgegen jeglicher Vernunft verlaufende Entwicklung trägt allmählich offen ihre Früchte zu Tage. Erkennbar wird dies an den symptomatischen Zerfallserscheinungen dieser Zeit. So stellen wir eine nicht von der Hand zu weisende Verrohung der allgemeinen Sitten dar. Der Umgang untereinander ist geprägt von Anstandslosigkeit, Respektlosigkeit und Rüpeleien jeglicher Couleur. Die Menschen scheinen nicht nur jeglichen Halt in ihrem Leben, sondern oftmals auch den Verstand verloren zu haben. Unsere Bestandsaufnahme beschreibt eine durchwegs negative Stimmungslage. Das Leben an sich ist herzloser, ungemütlicher, versachlichter und gefühlsärmer geworden. Junge Menschen verspüren keinen Drang nach einer festen Partnerschaft. Viele von ihnen sind schlichtweg beziehungsunfähig und ziehen es vor, unverbindlichen Sexabenteuern zu frönen. Man verspürt keine zwischenmenschliche Wärme mehr. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass noch nie in der Geschichte der Menschheit so viele psychische Erkrankungen diagnostiziert wurden. Im Durchschnitt leidet heute jede vierte männliche und jede dritte weibliche Person an psychischen Verhaltensstörungen. Im Übrigen nehmen Gewalt- und Drogenexzesse – gerade bei der jüngeren Generation – in erschreckend hohem Maße zu. Viele ertränken ihren Kummer und den seelischen Schmerz im Rausch bewusstseinsverändernder Substanzen. Soll das alles eine Zufallserscheinung der Moderne sein? Mitnichten!

Rolf Peter Sieferle hat diesen Kontext einmal sehr treffend umschrieben:
„Die Auflösung der Familie, deren Abschluss wir in diesem Jahrhundert erleben, schneidet das Individuum von seinen Ahnen, von der Geisteswelt, vom Absoluten ab. Es verbleibt ein Elementarteilchen in einem endlosen kalten und finsteren Raum.“

Die Diagnose steht – Was der Einzelne tun kann
Wir müssen wieder lernen, Augenblicke der Freude zu schaffen und eine aufmunternde Gesamtstimmung zu erzeugen. Es gilt, dem Schönen und Guten im Leben wieder mehr Raum zu gewähren, um die erkalteten Herzen wieder mit Wärme und Licht zu durchfluten. Bereits im Artikel „Die ausgehöhlte Welt“ (Impuls 1/2018) haben wir darauf hingewiesen, dass ein intaktes Familienglück der Schlüssel zur Überwindung dieser massengesellschaftlichen Eiszeit darstellt.
Statt weiterhin gedankenlos und oberflächlich im zeitgeistkonformen Massenstrom der allgemeinen Lebenssinnlosigkeit dahinzutreiben, würden wir gut daran tun, unser Leben wieder nach den Maßstäben der Treue, der Pflichterfüllung sowie der Verantwortung auszurichten.
Wir tragen nämlich nicht nur die Verantwortung für uns, sondern auch für die nachfolgenden Generationen. Durch die Gründung einer harmonischen Familie lässt sich eine Tankstelle der Geborgenheit errichten, aus der wir täglich Frohsinn und Herzenskraft schöpfen können.
Die Familie ist eine Insel der Glückseligkeit im trüben Alltagssumpf dieser hektischen Zeit.
Von elementarer Bedeutung ist es, die eigenen Kinder verantwortungsbewusst und liebevoll zu erziehen. Gerade im Zeitalter der digitalen Bildschirmmedien ist es umso wichtiger, unsere Kleinen nicht diesen elektronischen Geräten auszuliefern, sondern sie dabei zu begleiten, selber aktiv am Leben teilzunehmen. Entscheidend über Erfolg und Misserfolg sind einzig und allein wir Eltern.
Es wäre geradezu töricht, unseren Kindern den Zugang zu digitalen Medien zu verhindern, während wir selber ununterbrochen auf den Bildschirm unserer Mobiltelefone starren. Hier gilt es als Vorbild zu wirken und das zu vorzuleben, was wir von den Kindern einfordern. Alles andere ist kontraproduktiv und läuft ins Leere. Wir sind dazu angehalten, die Kreativität der Kinder zu fördern, ihre Fantasie anzuregen und ihnen durch gemeinsames Spielen im Freien den Zugang zur Natur zu verschaffen. Jedes Kind besitzt unterschiedliche Begabungen. Folglich haben wir sie ihren individuellen Fähigkeiten und Begabungen entsprechend zu fördern. So entsteht Zufriedenheit, was wiederum die Voraussetzung für Lebensfreude darstellt. Wo auch immer sich die Eigenaktivität der Kinder entfalten kann, stellt sie das beste Gegengewicht zum überbordenden Zeitalter der Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche dar.
Freilich sind auch Vater und Mutter nur Menschen, die sich nicht in jeder Situation ideal verhalten.
Es wäre utopisch, zu glauben, von früh bis spät ein unfehlbares Vorbild sein zu können.
Wir machen Fehler, was ganz normal ist uns nicht aus dem Gleichgewicht werfen sollte. So lange wir unseren Sprösslingen gesunde Werte vermitteln und gute Gewohnheiten aneignen, machen wir schon vieles von dem richtig, was es bei der frühkindlichen Entwicklung eines Menschen richtig zu machen gilt. Die Dreieinigkeit aus Liebe, Halt und Geborgenheit bildet die Grundlage, um den Kindern in frühesten Lebensjahren ein Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, auf das sie immer wieder zurückgreifen können. Der deutsche Dichter Johann Richter sagte einmal treffend:
„Mit einer Kindheit voll Liebe kann man ein halbes Leben hindurch die kalte Welt aushalten.“

Allen Eltern und jenen, die es noch werden wollen, möchten wir das Buch „Entscheidende Kinderjahre – Ein Handbuch zur Erziehung von 0 bis 7“ der Autorin Christiane Kutik ans Herz legen.

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