Weihnachten – Wenn aus Tradition Kommerz wird

Weihnachten – Wenn aus Tradition Kommerz wird
Bevor das neue Jahr anbricht, wollen wir uns noch einmal im Kreis der Familie zusammenfinden, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Ein schönes Fest, auf das wir gerne zurückblicken. Soweit zurück, wie es die Erinnerungen an die Kindheitstage ermöglichen. Das Weihnachtsfest beschränkt sich ja bekanntlich nicht nur auf den feierlichen Akt von Heiligabend, sondern beginnt bereits viel früher. In der vorweihnachtlichen Adventszeit. Die Menschen besuchen Weihnachtsmärkte, backen Kekse und schmücken ihre Häuser mit bunten Lichterketten. Emsig laufen die Vorbereitungen für den feierlichen Höhepunkt. Nicht nur bei Vater und Mutter, sondern auch bei den Kindern, welche bereits eifrig ihre Wunschliste für das Christkind zusammenstellen und jeden Tag ein neues Fenster des Adventskalenders öffnen. Die Vorfreude versetzt uns bereits Wochen vor dem eigentlichen Fest in eine andachtsvolle Stimmung.

Andachtsvoll?

Doch irgendwas passt hier so ganz und gar nicht ins romantisch-kitschige Schema der besinnlichen Weihnachtszeit. Es ist diese Hektik und Nervosität. Man braucht nur einmal in der Vorweihnachtszeit in ein Kaufhaus zu gehen. Man blickt auf ein Heer von Menschen, welche eifrig durch die Regale eilen und dabei lautstark von den immer gleichen Liedern beschallt werden. Trifft man auf der Strasse bekannte Gesichter, dreht sich das Gespräch nicht selten um das zentrale Thema dieser Tage:
„In drei Wochen ist schon Weihnachten. Wie sieht’s bei Euch aus? Habt ihr schon alle Geschenke beisammen?“
Mit dieser massengesellschaftlichen Ich-muss-jetzt-noch-schnell-was-kaufen-Mentalität wird fürwahr keine Stimmung erzeugt, sondern viel eher getötet. Wir erlauben uns an dieser Stelle einmal die Frage in den Raum zu stellen: Was ist eigentlich Weihnachten heute, im Zeitalter des uferlosen Wohlstands?
Ein besinnliches Fest mit kultureller Ästhetik oder nicht viel eher eine dekadente Konsumveranstaltung zum Zwecke der materiellen Befriedigung?
Aus Sicht des Verfassers stehen die Konsumorgien dieser Tage sinnbildlich für die Abkehr des Menschen vom Schönen, Wahren und Guten im Leben. Im Rausch unserer luxuriösen Vergnügungs- und Genusssucht verdrängen wir all die schönen Sitten und Bräuche, die schon zu Zeiten unserer Vorfahren die Charakteristik dieses Festes mitgeprägt haben. Stattdessen lassen wir uns von der aggressiven Weihnachtswerbung berieseln und meinen etwas Gutes zu tun, wenn wir der Aufforderung nach übermässigem Konsum blind Gehorsam leisten.
Das Wesen des Weihnachtsfestes beschränkt sich heute darauf, ein gewinnbringendes Geschäftsmodell für das Grosskapital zu sein. Kultur und Brauchtum? War einmal!
Hand aufs Herz – Für viele von uns stellt Weihnachten nichts weiter als ein erzwungenes
Wir-müssen-uns-alle-beschenken-Ritual dar. Oftmals beschenkt man sich mit sinnlosen Konsumgütern, die die Welt nun wirklich nicht braucht. Wir handeln exakt so, wie es die Werbung der Grossindustriellen von uns verlangt. Wohlgemerkt: Wir sprechen uns nicht dagegen aus, sich an Weihnachten zu beschenken. Doch definieren sich „reiche“ Weihnachten ausschliesslich darüber, ob sie materiell reich bestückt sind? Wir meinen nicht.

Weihnachten wieder lebendig machen
Statt sich weiterhin gedankenlos der Handlungsmaxime des übermässigen Kaufens und Verbrauchens hinzugeben, würden wir gut daran tun, Weihnachten wieder zu einem kultur- und sinnstiftenden Erlebnis für Gross und Klein zu machen. Natürlich haben auch Geschenke darin ihren berechtigten Platz. Doch eine Mässigung tut hier zweifelsfrei Not.

Denn entgegen dem allgemeinen Irrglauben sind es nicht primär die materiellen Güter, welche Weihnachten zu einem Fest der Freude machen. Es ist nicht unsere Absicht, Euch Ratschläge zu erteilen, wie denn das Weihnachtsfest nun im Detail zu gestalten sei. Was wir uns jedoch erlauben, ist, die durch und durch kommerzialisierte Weihnachtszeit in Frage zu stellen und gleichzeitig Anregungen und Ideen für ein Fest niederzuschreiben, welches der Bezeichnung „Frohes Fest“ auch gerecht wird. Ein Fest, in dem nicht die vielen Geschenke im Zentrum der Betrachtung stehen, sondern das, was von höchster Wertschöpfung ist und uns von tief innen heraus „reich“ macht. Frohsinn, Freude, Gemeinschaft, Wärme, Liebe und Zeit. Zeit, um füreinander da zu sein und sich gegenseitig zuzuhören. Hierbei handelt es sich um etwas Lebendiges, was nicht käuflich ist, aber dennoch unsere Herzen mit Wärme durchströmt. Gerade in dieser hektischen und lauten Zeit ist es unabdingbar, im Beisein seiner Liebsten neue Lebenskraft zu schöpfen.

Zum Abschluss wünschen wir Euch ein frohes und besinnliches Fest.

In Liechtensteiner Mundart gesprochen: „Schöni Wiahnachta allna zemma“.

 

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